Angekommen. Arrived. Aangekom.

Heute ist Dienstag, der 08.März 2016. Gestern morgen bin ich in aller Frühe in Windhoek angekommen. Sonntag morgens mit dem ICE nach Frankfurt gefahren und abends um halb neun abgehoben. Es waren viele grauhaarige Deutsche an Board. Vom Flugzeug zum Wartebereich läuft man über das Flugfeld. Am Rand saß ein riesiger schwarzer Käfer. Den fand ich irgendwie symphatisch, wie er da gewartet hat, vermeintlich in der Hoffnung auf Kekskrümel, die die Leute vielleicht manchmal fallen lassen .

Nach der Ankunft kam es zu einer kurzen Wartezeit am Einreiseschalter (O-Ton deutsche Touristin nach fünf Minuten Wartezeit:“Ist das hier jedes Mal so scheiße am Flughafen?“). Ich war froh, als ich die Warteschlange hinter mir lassen konnte.

Am Flughafen wurde ich freundlicherweise von meiner Gastgeberin Sanet abgeholt. Sie spricht mindestens Englisch und Afrikaans, war früher mal Lehrerin und danach Journalistin. Jetzt arbeitet sie bei der Bank und konnte mir gleich zeigen, wo ich am besten mein Geld wechseln kann.

Afrikaans ist die heimliche Amtssprache Namibias. Die meisten Leute, zumindest in Windhoek, sprechen zwar auch Englisch, aber ich habe das Gefühl, dass man mit Afrikaans weiter kommt. Immerhin habe ich mir ja vorgenommen, Afrikaans zu lernen.

Vor mir liegen gerade vier Zeitungen, die Sanet mir heute netterweise mitgebracht habe. Eine davon („Republikein“) in Afrikaans. Ansonsten noch „the nambian“, ein oppositionelles Blatt (erkennt man das eigentlich immer an der Kleinschrift?), „New Era“ und die „Namibian Sun“. Ich gebe zu, ich habe noch nicht reingeschaut, schließlich muss ich ja auch einen Blogeintrag schreiben. Afrikaans Lesen geht schon mal ganz gut (Titelblatt: So reageer groot verbruikers). Es gibt auch die deutschsprachige „Allgemeine Zeitung“, aber das nur nebenbei.

Nächster interessanter Fakt: In Namibia konzentriert sich die elektronische Kommunikation hauptsächlich auf einen einzigen Anbieter: MTC („make the connection“). Ich bin mir nicht sicher, ob der Slogan eine Aufforderung der Firma an sich selbst ist. Es ist nicht einfach, eine stabile Internetverbindung zu bekommen, auch in dem Moment, als ich diese Zeilen schreibe. Skypen wird vorerst also eher schlecht als recht möglich sein. Lustig ist es, mal wieder ein Handy der alten Schule zu benutzen, bei dem ich immer erst beim zweiten Auf-das-Display-Drücken verstehe, dass ich die Tasten benutzen soll.

Zurück zur Ankunft: Die Autofahrt führt vom Osten Windhoeks in den Südwesten (Ortsteil „Academia“), sodass man einmal quer durch die Stadt fahren muss. Der Anfang der Strecke liegt außerhalb der Stadt. Mit etwas Glück kann dort schon diverse Tiere sehen (und ein paar Leute wissen ja, dass „Tiere gesehen“ schon immer eine meiner Lieblingsbeschäftigungen war). Auf unserer Autofahrt konnte ich immerhin Affen beobachten, kleine Paviane und ja, ich fand sie super. Nach den Pavianen haben wir den Premierminister gesehen. Das ist aber anscheinend keine Seltenheit hier, denn Windhoek ist nicht sehr groß. Die Stadt ist umgeben von Bergen, die wunderschön aussehen mit ihren Erosionsrinnen (ich kenne leider kein prosaischeres Wort dafür…), überzogen von kleinen Büschen, die im Moment alle grün sind, es hat vor kurzem geregnet.

Sanet ist gebürtige Windhoekerin und das ist super! Ich habe am ersten Tag eine Stadtrundfahrt bekommen, danach waren wir einkaufen und die obligatorische Sim-Karte wurde besorgt. Ich habe mich den ganzen Tag in einer Blase aus Müdigkeit bewegt und alles nur halb wahrgenommen.

Heute geht alles viel besser. Der Tag hat mit einem GIZ-Frauenfrühstück begonnen, bei dem ich nahezu alle Mitarbeiterinnen und Praktikantinnen (Ja, es ist Weltfrauentag, es darf gegendert werden. Herzlichen Glückwunsch an alle Leserinnen.) kennenlernen konnte. Die Gastgeberin, bei der ich ab April wohnen werde, hat sich mir vorgestellt, sie ist mir sehr symphatisch. Das Frühstück selbst war ebenfalls nicht zu verachten: Herzhafte Windbeutel, Süßkartoffelchips, Honigmelone und so weiter. Heimlicher Plan B nach meiner Rückkehr: Namibisches Restaurant in Berlin eröffnen.

Zum Thema Essen: Ich könnte mich hier, wenn ich es denn wollte, auch gänzlich von deutscher Küche ernähren: bei Superspar gibt es alles, was man sonst vermissen könnte. Aber auch in Restaurants findet man viel Deutsches. Die Community ist nicht klein hier in Windhoek. Ich habe schon gelernt, dass man unterscheiden muss zwischen „Deutschen in Namibia“ und „deutschsprachigen Namibiern“. Die einen halten sich angeblich für etwas Besseres, wie viel Wahrheit in dieser Aussage steckt, kann ich jedoch (noch?) nicht beurteilen.

Nach dem Frauenfrühstück im GIZ-Büro ging es zum Landwirtschaftsministerium, in dem auch mein Arbeitsplatz sein wird. Physisch existiert dieser Arbeitsplatz noch nicht, also war es meine offizielle erste Aufgabe, einen Schreibtisch zu organisieren. Das klingt erstmal nach einer undankbaren Praktikanten(innen!)-aufgabe, aber es war alles andere als das. Das Gute war, dass ich den halben Tag durch die Stadt gefahren wurde und viel gesehen und erklärt bekommen habe. Und natürlich haben wir auch den Schreib

tisch bestellen können. Gestern dachte ich noch, ich hätte einen schlechten Orientierungssinn, aber heute wusste ich immer ungefähr, in welcher Ecke Windhoeks wir uns gerade befinden. Eigentlich ist es relativ einfach, vom Büro nach Hause zu kommen. Grob gesagt immer geradeaus.

Morgen ist der erste Arbeitstag, an dem ich mich konkret mit den Projektinhalten beschäftige. Und nun widme ich mich mal den Zeitungen.

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